Armut im Überfluss: Nachrichten aus einer gespaltenen Gesellschaft


 
Starker Bericht von der Kehrseite unsrer Leistungs-(Klassen-) Gesellschaft
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(TOP 1000 REZENSENT)    Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?) Rezension bezieht sich auf: Armut im Überfluss: Nachrichten aus einer gespaltenen Gesellschaft (Gebundene Ausgabe) Wer die politische und gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre auch nur sporadisch verfolgt hat, weiß nicht nur, daß die soziale Schere immer weiter auseinanderklafft, ihn beschleicht manchmal sogar der Gedanke, daß diese Entwicklung politisch so gewollt sein könnte, mindestens aber billigend in Kauf genommen wird. Lohndumping ist normal geworden, in Deutschland wurde der größte Niedriglohn-Sektor Europas geschaffen, die Hartz-Gesetzgebung entwickelt ihre brutale Wirkung gegenüber Arbeitslosen UND Beschäftigten. In der Steuer-Gesetzgebung werden Arbeitseinkommen mit bis zu 42% belastet, dazu addieren sich dann noch die Sozial-Versicherungs-Beiträge, während seit 2009 "leistungslose" Einkommen wie z. B. Dividenden und Zinseinkünfte auch für größte Privat-Vermögen mit gerade mal 25% Abgeltungssteuer "belohnt" werden, und von Sozialversicherungsbeiträgen SELBSTVERSTÄNDLICH freigestellt bleiben. (In diesem Zusammenhang: Wenn die Mövenpickles-Partei von "leistungslosem Wohlstand" schwadroniert, meint sie nicht SOLCHE leistungslose Einkommen.)

Das Buch "Armut im Überfluss - Nachrichten aus einer gespaltenen Gesellschaft" der Autoren Dorothee Beck (Journalistin) und Hartmut Meine (Bezirksleiter IG-Metall) ist vor dieser neuen Steuergesetzgebung (Systemwechsel von der synthetischen Einkommensteuer hin zur dualen Einkommensteuer), nämlich bereits 2007, erschienen, aber es ist nach wie vor hochaktuell.
Es enthält z. B. einen kurzen Abriss zum Berliner Banken-Skandal, samt einer "Anleitung zum Ausplündern einer Stadt" sowie Namensnennungen, wer damals besonders von den Machenschaften profitiert hat (Gerade dieser Tage hat einer der Hauptverantwortlichen dieses unglaublichen Skandals, der damalige CDU-Fraktions-Vorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, vor dem Bundesverfassungsgericht die Wiederaufnahme seines Verfahrens erstritten). Mit schlimmen Folgen: Berlin wird bis zum Jahr 2032 bis zu 21,6 Milliarden ¤ in dem Skandal gelassen haben. Auch wird beschrieben, welche Konsequenzen diese drastischen Belastungen für die Stadt haben, wie heftigste Sparmaßnahmen ("Sparen bis es quietscht"), Streichungen, wie z. B. Lehrerstellen, deutliche Gebührenerhöhungen wie z. B. für Kita-Plätze, Sozial-Ticket, Förderungskürzungen z. B. für Beratungsstellungen, kulturelle Einrichtungen, Verkauf städtischer Wohnungen, etc..., die gesamte Grausamkeitspalette wrd hier geboten.
Milliardärs- und Millionärs-Einkommen werden mit "normalen" Mittelschichtseinkommen in Relation gesetzt, mit eindeutigem Ergebnis: Dieser Staat wird weit überproportional von der Mittelschicht finanziert, und NICHT von den Reichen, auch wenn diese das gerne behaupten (lassen). Immer schneller und immer drastischer wird, wie die Autoren ausführlich nachweisen, in unserem Staat von unten nach oben umverteilt - willfährige Helfer sind Politiker unterschiedlicher Couleur, ob schwarz-gelbe Kohl-Regierung, grün-rotes Schröder-Kabinett, oder schwarz-rotes 1. Kabinett Merkel, alle waren und sind beteiligt. Demgegenüber listen Beck und Meine auch auf, welche Faktoren z. B. arm machen, und begründen diese klar: Arbeit macht arm, Alter macht arm, Arbeitslosengeld2 macht arm, Kinder machen arm, Schulden machen arm etc...pp..., und stellen fest: (Zitat)"Jeder dritte Deutsche fühlt sich vom sozialen Absturz bedroht. Besonders groß ist die Angst bei Geschiedenen, Arbeitslosen und Studierenden. Diese Angst ist real: Nach nur 12 Monaten Arbeitslosigkeit droht Alg2. Inzwischen kennt jeder jemanden, den es schon erwischt hat. Und jeder weiß: Mir könnte es genauso gehn."

Des weiteren klären die Autoren den Begriff "Sozialneid", und wem die Verwendung dieses Begriffes WIRKLICH nutzt, z. B. gerne als Totschlag-Argument gegenüber Leuten verwendet, die es wagen, die sich immer extremer entwickelnden Einkommensunterschiede hierzulande zu hinterfragen: (Zitat)"Schon der Begriff ist Unsinn. Neid ist, wenn ich etwas haben will, was ein anderer besitzt. Das verstößt gegen eines der 10 Gebote: Du sollst nicht begehren...Aber was soll in diesem Zusammenhang der Begriff "sozial"? Weder "sozialer Neid" noch "Neid aufs Soziale" ergeben irgendeinen Sinn. Sozialneid ist nichts anderes als eine Worthülse, mit der die Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit mit einem Tabu belegt werden soll".

Dieser ebenso engagierte wie ausführliche Bericht der beiden Autoren Dorothee Beck und Hartmut Meine über die Kehrseite unserer sog. "Leistungsgesellschaft", die sich zunehmend als Klassengesellschaft mit immer drastischeren Unterschieden zeigt, in der sich folgerichtig zunehmend manche viel, einige wenige alles, und immer mehr Menschen wenig bis garnichts mehr leisten können, erschien, wie gesagt, bereits 2007, ist aber nach wie vor absolut lesenswert.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 22. September 2010
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1. sehr schön
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