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| Die Selbstbehauptung Europas: Perspektiven für das 21. Jahrhundert
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Wir brauchen die Union, ebenso den Euro!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Die Selbstbehauptung Europas: Perspektiven für das 21. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe) Die fühlbare Stimmung gegen EU und Euro-Währung in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung vieler EU-Mitgliedstaaten, sichtbar werdend in besorgniserregenden Wahlergebnissen populistischer Europagegener in einigen Euroländern im Verlauf der letzten Jahre, veranlaßt mich dieses inzwischen schon elf Jahre alte Buch noch einmal zu empfehlen.
Das Prinzip der Demokratie gebietet uns, daß Volkes Wille geschehe. Volkes Wille aber muß aufgeklärt sein, um vernünftig zu beurteilen und zu befinden. In keiner politischen und gesellschaftlichen Frage darf man Stimmungsmachern, die nur auf (menschlich oft durchaus verständliche) Gefühlswallungen der Völker abzielen, das Feld überlassen. Es ist vornehmlich Aufgabe von fachkundigen Publizisten und Journalisten (denn sie stellen im Wesentlichen die veröffentlichte Meinung dar) Aufklärng zu betreiben und die Pflicht der politischen Klasse die Wahrheit zu sagen und die Notwendigkeiten zu erklären.
Helmut Schmidt vereint Politiker und Publizist in einer Person. Wenn auch die Schwerpunkte seiner Arbeit im Laufe seines Lebens umgewichtet wurden, so war und ist er stets beides - Politiker und Publizist. Mit diesem Buch leistet er einen gewichtigen Beitrag zum Verständnis für die Notwendigkeit einer starken europäischen Integration, zum Verstandnis dafür, warum eine starke Europäische Union und der Euro(!) gerade für uns Deutsche von vitalem Interessen sind. Keine Volkswirtschaft innerhalb Europas ist derartig vom Export abhängig wie die unserige, keine Volkswirtschaft profitiert daher mehr als die unserige vom Wegfall der Wechselkurse innerhalb der Eurozone und von der wesentlich höheren internationalen Wechselkurs-Stabilität des Euros im Vergleich zur D-Mark! Jeder Europäer, der sich in völlige Kleinstaaterei zurück sehnt, muß wissen, daß in einer globalisierten Welt jeder einzelne europäische Staat bestenfalls ein Leichtgewicht ist. Das Gilt für Frankreich, genauso für Deutschland und für Groß Britanien, das gilt mehr noch für Italien, für Polen oder Spanien und das gilt massiv für die vielen Kleinst-Staaten wie Dänemark, Tschechien, Portugal, für Belgien, für Ungarn, die Niederlande usw. Bei allen zukünftigen globalen Entwicklungen und Entscheidungen, spielten die Staaten Europas einzeln und für sich allein nur die Rolle der Zaungäste, wenn die Weltmächte USA und China, die, wenn auch nicht wirtschafftlich, so aber auch zukünftig militärische und geopolitische Weltmacht Rußland, die wahrscheinlichen künftigen Weltmächte Indien, Indonesien und Brasilien, ihre Interessen auf weltpolitischer Bühne durchsetzen. Nur als Ganzes, als politische und wirtschaftliche Union, hat Europa das Gewicht zukünftig die Rolle einer international beachteten und berücksichtigten Größenordnung zu spielen.
Und selbst dem Europa-Skeptiker, dem monetäre und wirtschaftspolitische Fragen nicht relevant genug erscheinen, sei ins Bewußtsein gerufen, daß der Zustand des zwischenstaatlichen Friedens auf unserem Kontinent seit nun mehr bald 70 Jahren keine Selbstverständlichkeit ist! So etwas hat es vorher nie in Europa gegeben! Stets führte über Jahrhunderte wenigstens ein europäisches Land Krieg mit oder gegen ein anderes, meist aber mehrere untereinander und gegeneinander! Innerhalb der EU ist Krieg faktisch nahezu auszuschließen. Der Friede darf uns nicht selbstverständlich scheinen! Er ist auch eine Frucht der europäischen Integrationsbemühungen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges!
Bei alle dem geht es keineswegs darum, die nationalen Idenditäten auszulöschen. Die Vielfältigkeiten der Kulturen, der Sprachen, der Nationalidenditäten ist für die EU von essenstieller Bedeutung und wird auch künftig unter einem gemeinsam Dach zu erhalten sein. Dieses Buch ist wichtig für jeden der die EU bejaht, weil es Fakten und Argumente liefert, die festigen. Wünschenswert wäre es, daß gerade Skeptiker sich mit dieser Lektüre beschäftigen, um Zweifel auszuräumen und Einsichten zu gewinnen. Für Helmut Schmidt ist Europa eine Herzensangelegenheit, sonst würde es dieses Buch gar nicht geben, aber man kann gewiß sein, daß ihm kein Satz aus der Feder fließt, ohne von seiner abwägenden Vernunft überprüft worden zu sein. Nie läßt er sich zu ideologischem Geschwätz verleiten, keine These oder Forderung bleibt ohne stichhaltiges Argument. Mit seinem hohen Maß an faktischem und historischem Wissen, mit seinem unbestechlichen Verstand hat Schmidt hier einmal mehr einen wichtigen, einen weisen Beitrag vorgelegt, der auch elf Jahre nach seinem Erscheinen uneingeschränkte Gültigkeit hat. Er benennt auch klar die Fehler, die beim Bau des europäischen Hauses gemacht wurden und die Risiken, die diese durchaus mitsichbringen. Daraus folgt aber nicht, daß man Euro und EU rückgängig machen sollte, sonder man muß die Fehler korrigieren und gefälligst darauf bedacht sein, zumindest die offensichtlich schon anvisierten neuen Fehler und Versäumnisse zu vermeiden! Insofern sei dieses Buch dringend auch allen Bauherren des europäischen Hauses zur Pflichtlektüre befohlen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 23. April 2011 | | |
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