Aufstieg und Fall einer Familie durch Wahlmanipulation
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Strauß. Die Biographie einer Familie (Gebundene Ausgabe) Das Buch handelt von Aufstieg und Fall von Franz Josef Strauss und zwei seiner drei Kinder. Der Autor beschränkt sich, um den Blick auf das Wesentliche freizugeben: Politik im Sinne von Tagespolitik interessiert ihn wenig (zumal es bereits zwei politische Biografien von FJS gibt - eine kritische von W. Bickerich und eine überfreundliche von S. Finger). Das heißt aber nicht, dass Schulers Buch unpolitisch sei bzw die Politik außer Acht lasse. Im Gegenteil. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum die Deutschen Franz Josef Strauß nie so sehr trauten, dass sie ihn zum Kanzler wählten. Das Buch handelt also vom Vertrauen der Bürger in den Politiker und damit vom Kern der Politik in unserer Demokratie. Warum trauten die Wähler Strauß nicht?
Schuler zeigt, dass Strauß glaubte, er könne seine Grenzen selbst definieren und die Interessen der Allgemeinheit und seine eigenen immer wieder zu seinem eigenen Vorteil vermengte. War Strauß ein Demokrat? Er selbst würde sicher Ja sagen. Nach unserem heutigen Verständnis darf man ein großes Fragezeichen hinter den Begriff Demokrat setzen. Heute wartet ein Kanzler zumindest das Ende seiner Amtszeit ab, bevor er fragwürdige Geschäfte eingeht. Strauß hat nichts dabei gefunden, sich als Verteidigungsminister heimlich an einer Firma zu beteiligen, die für seine Soldaten Wohnungen bauen sollte. Allerdings war er wegen der Spiegel-Affäre aus dem Amt gestürzt, ehe er abkassieren konnte.
Die Details von Aufstieg und Fall sind bekannt, aber Vieles ist doch vergessen. Wer erinnert sich schon an die Fibag-Affäre, die später zur Spiegel-Affäre führte? Plötzlich zeigen sich Parallelen, etwa dass Vater und Tochter beide kämpften und ihre Skandale aussitzen wollten. Beide sind am Ende an ihren eigenen Parteifreunden gescheitert, die ihnen das Vertrauen entzogen haben. (Nach ihrem Sturz studieren beide Wirtschaft.) Schuler macht deutlich: Die Kinder haben nicht nur das Ansehen, die Geschäfte und die Freunde des Vaters geerbt, sondern vor allem auch das Misstrauen. Das zeigte sich, als Max Strauß wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, obwohl man ihm nicht nachweisen konnte, dass er das Geld auf einem Liechtensteiner Konto tatsächlich angetastet hatte. Man hat ihm diese Gaunerei einfach zugetraut - so wie man sie dem Vater zugetraut hätte. Die Kinder sind daran nicht unschuldig, weil sie die Öffentlichkeit in ihrem Misstrauen bestärkt haben.
Schuler fügt ein interessantes Detail hinzu, das bislang nicht bekannt war: Ein Parteifreund von Strauß erzählte ihm, dass er und Strauß 1948 in Schongau einen Quasi-Stimmenkauf begangen haben - weil sie um seine Wahl als Landrat fürchteten. Er hat dann aber mit fünf Stimmen Mehrheit gewonnen. Ganz am Anfang seiner Karriere und ohne Not hat FJS diese Wahlmanipulation begangen. Denn 1948 saß er bereits in vielen politischen Sätteln. Interessant ist das Detail im Zusammenhang mit dem Sturz seiner Tochter Monika Hohlmeier, der 2005 mangelnde Aufklärung bei einer Wahlmanipulation vorgeworfen wurde. Somit stehen am Beginn und am Ende des Aufstiegs und Fall der Familie Strauß eine Wahlmanipulation.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. Dezember 2006
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