Vorwärts und Vergessen!: Kader, Spitzel und Komplizen: das gefährliche Erbe der SED-Diktatur


 
Eine Polemik, aber eine notwendige
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(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Vorwärts und Vergessen!: Kader, Spitzel und Komplizen: das gefährliche Erbe der SED-Diktatur (Gebundene Ausgabe) Die Autoren befassen sich in diesem Buch mit vier großen Themenkreisen: der zögerlichen Aufklärung und extrem milden Bestrafung übelsten staatlichen Unrechts in der DDR bei gleichzeitig äußerst schäbiger Behandlung der Regimeopfer; der befremdlichen Wiederauferstehung der Blockparteien, die für dieses Unrecht verantwortlich waren, mit im Schnellgang weißgewaschener Weste; der schnellen Karriere linientreuer Ex-Kader in Wirtschaft und Medien der gewendeten Republik; und der schnellen Verdrängung, dem Nicht-mehr-hören-wollen von Diktatur und Unrechtsstaat bei den Zeitgenossen und die skandalöse Unkenntnis über die nur zwanzig Jahre zurückliegenden Vorgänge bei der Generation der Nachgeborenen.

Sie tun dies mit berechtigter Wut. Die Wut kann jeder nachempfinden, der beispielsweise die Dokumentation über Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-1989. Ein biographisches Handbuch liest oder die Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen besucht und dann sehen muss, dass für das gesamte Unrecht in vierzig Jahren Unrechtsstaat DDR, darunter Mord, Totschlag, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Gefangenenmisshandlung und Rechtsbeugung mit Todesfolge weniger Geld- und Freiheitsstrafen verhängt wurden als in einem einzigen Jahr in Deutschland für schlichte Sachbeschädigung ausgeurteilt wird. Und wer die große Koalition des Wegschauens und unter-den-Teppich-Kehrens übelster Verbrechen bereits vor der Wende betrachtet, als Politiker aller Parteien mit schäbigsten Begründungen selbst die Erfassungsstelle Salzgitter schließen wollten, die diese Verbrechen dokumentieren sollte.

Dieser erste Teil des Buches ist am eindrücklichsten begründet und mit Zahlen und Fakten untermauert. Aber auch die Polemik der Autoren zu den anderen drei Hauptthemen ist geeignet, den Leser, je nach Einstellung, mit Wut oder Scham oder beidem zu erfüllen. Wie Marx in seinem Werk Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte sagt, wiederholen sich die Tragödien der Geschichte als Farce. So stellt sich die Bewältigung der DDR-Diktatur durch Politik und Öffentlichkeit auch nach diesem Buch dar: als ein homunculusartiger Wiedergänger der Aufarbeitung des Dritten Reiches in der Nachkriegszeit. Allerdings mit einem Unterschied: erfreulicherweise durften die Nazis nicht als erst in "Partei des demokratischen Nationalsozialismus (PDN)" und dann in "Die Rechte" umbenannte Partei mit der Mär auf Wählerfang gehen, es sei 1933-1945 doch, vielleicht von einigen vereinzelten Exzessen abgesehen, alles ganz wunderbar gewesen und die Bezeichnung des Dritten Reiches als Unrechtsstaat beleidige die Deutschen, die in diesem Staat gelebt hätten.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. September 2009
Kundenrezensionen:
2. Eine Polemik, aber eine notwendige (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Ein wichtiges und notwendiges Buch, das mit Geschichts-Mythen aufräumt!
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