Auf dem Weg zur deutschen Einheit. 6 CDs + mp3-CD: Bilanz und Ausblick


 
Der Prophet im eigenen Land...
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(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Auf dem Weg zur deutschen Einheit. Rückblick und Ausblick (Gebundene Ausgabe) ...der gilt ja bekanntermaßen nicht viel. In dem Buch „Auf dem Weg zur deutschen Einheit“ finden sich 16 Beiträge des fünften Kanzlers der BRD zum Thema Einheit. Der erste Beitrag ist ein am 5. Dezember 1989 in der ZEIT veröffentlichter Artikel, der letzte ein kurz vor der Bundestagswahl diesen Jahres verfasster Essay mit dem vielsagenden Titel „Es ist noch nicht zu spät“.

Die chronologische Anordnung der Zeitungsartikel, Reden und Interviews gibt einen exzellenten Einblick in den Prozess der deutschen Einigung und natürlich vor allem Schmidts Ansichten hierzu. So warnte er bereits im März 1990, dass „je besser der Umtauschkurs von Mark (Ost) in D-Mark, um so größer und schneller die Arbeitslosigkeit“ (40). Doch nur vier Monate später kam die 1:1 Umstellung, die Schmidt, wie er immer und immer wieder festhält, für den größten Fehler von Helmut Kohl hält, begangen aus wahltaktischen Motiven.
Im Mai 1991 beginnt er mir der teils äußerst polemischen Kritik an den politisch Verantwortlichen. „Aber wem eigentlich kann es Mut machen, wenn der Bundeskanzler heute noch in Halle und Erfurt seine wirtschaftlichen Illusionen verkündet?“ (63), hält er Helmut Kohl vor. Der gesamten Regierung attestiert er „ökonomische[.] Inkompetenz“ sowie „Schonfärberei“ (65). Noch deutlicher wird er im Februar 1992 als er der gesamten politischen Klasse „dilettantische Beschränktheit der Urteilskraft“ (89f.) vorhält. Auch die FDP, seit dem Seitenwechsel von 1982 Schmidts Lieblingsgegner, bekommt ihr Fett weg. Im Februar 1993 wettert er gegen den „puristische[n] marktwirtschaftsideologische[n] Wahn eines freidemokratischen Wirtschaftsministers“, der sich vielmehr durch „Polemik und Propaganda“ (118) als durch wirtschaftliche Kompetenz auszeichne. Schmidts Fazit zu diesem Zeitpunkt: „Das soll ein blühendes Land sein? Nein – so haben wir uns die Vereinigung unseres Landes wirklich nicht vorgestellt!“ (109)

Doch Schmidt belässt es nicht bei reiner Kritik sondern wiederholt immer wieder seine Vorstellungen um die (wirtschaftliche) Einigung Deutschlands in Gang zu bringen. Diese Vorschläge fasst Schmidt in seinem abschließenden Essay zusammen und können auf Seite 219 nachgelesen werden.

Fazit: Sicherlich, man könnte Schmidt Besserwisserei vorwerfen, da er ja damals nicht in politischer Verantwortung gewesen ist. Dennoch, liest man seine messerscharfen Analysen und die daraus resultierenden Vorschläge so wünscht man sich, dass 1989 nicht der Helmut aus Oggersheim sondern der Helmut aus Hamburg Kanzler gewesen wäre!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. Januar 2006
Kundenrezensionen:
3. Der Prophet im eigenen Land... (die aktuell angezeigte Rezension)
2. reden, wie einem die Schnauze gewachsen ist ...
1. Wären die Beiträge nur von denen zur jeweiligen Zeit politisch Verantwortlichen gelesen und verstanden worden
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Siehe auch folgende Artikel:
Die Weltethos-Rede: Konflikt zwischen Vernunft...
Zug um Zug (3 CDs)
Schmidt, Helmut: Kanzler des Friedens
Willy Brandt: Kanzler der Versöhnung
Unser Jahrhundert: Ein Gespräch
Bilanz eines großen Staatsmannes
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