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Der VölkerbundI. Vorgeschichte und GründungAm 8. Jan. 1918 veröffentlichte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Woodrow Wilson, sein als Vierzehn Punkte bekanntgewordenes Friedensprogramm. Im letzten seiner vierzehn Punkte forderte der US-Präsident: Eine allgemeine Gesellschaft der Nationen muss auf Grund eines besonderen Bundesvertrags gebildet werden zum Zweck der Gewährung gegenseitiger Kategorien für politische Unabhängigkeit und territorialer Integrität in gleicher Weise für die großen und kleinen Staaten. In einer Rede am 4. Juli 1918 zu Mount Vernon bekräftigte Wilson seine Forderung nach Errichtung einer Friedensorganisation, die es sicherstellen sollte, dass die Gesamtmacht der freien Nationen jede Rechtsverletzung verhüten wird. Als Mittel, Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu festigen, schlug er ein Tribunal der Meinung vor, dem sich alle beugen müßten und durch das jede internationale Streitfrage, über die sich die unmittelbar beteiligten Völker nicht freundschaftlich einigen können, geregelt werden sollte. Die Hegemonie eines Landes sollte nicht mehr, wie in der Vergangenheit versucht, durch das Ordnungsprinzip des Gleichgewichts der Mächte, sondern durch die Gründung eines Völkerbunds vermieden werden.
Kants VernunftsideeIn den Vorstellungen des amerikanischen Präsidenten fand ein seit über hundert Jahren in der abendländischen Geisteswelt gehegter Gedanke eines Völkerbundes seinen konkreten politischen Ausdruck. Immanuel Kant beschrieb ihn bereits in seinem 1795 erschienenen Traktat Zum Ewigen Frieden und nannte darin den Zusammenschluß der Völker zu einem Bund die Vernunftidee einer friedlichen durchgängigen Gemeinschaft der Völker auf Erden. Die bitteren Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, des größten und blutigsten aller bisherigen Kriege, mit seinen oft widersinnigen und selbstmörderischen Aktionen ließen den Wunsch nach einem geregelten, friedlichen Zusammenleben der Völker wieder mit Macht laut werden und auf eine Verwirklichung der Völkerbundsidee drängen. Auch die Kaiserlich Deutsche Reichsregierung unter Prinz Max von Baden erklärte ihren Willen, im Sinne einer allgemeinen Völkerverständigung tätig zu werden und alles zu tun, dass ein ehrlicher, dauernder Friede für die gesamte Menschheit herbeigeführt werde. Unter diesen Voraussetzungen schien es nur mehr eine Frage der Zeit und der Beendigung des Krieges zu sein, wann das allgemeine Gefühl der internationalen Zusammengehörigkeit der Völker in die praktische Organisationsform einer League of Nations gefasst werden könnte. Nach Abschluß des Waffenstillstandes von Compiegne und nachdem am 18. Jan. 1919 im Pariser Außenministerium die Friedenskonferenz der 27 alliierten und assoziierten Mächte zusammengetreten war, ging man daran, die Satzungen für den geplanten Völkerbund auszuarbeiten. Der südafrikanische Staatsmann Jan Christian Smuts (1870-1950) hatte gleich nach Einstellung der Kampfhandlungen eine Denkschrift über die Gründung einer internationalen Friedensorganisation geschrieben und darin wertvolle Anregungen gegeben. Er kann daher neben Woodrow Wilson als einer der Väter des Völkerbundes gelten, eine Tatsache, die bis heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Die Gründung des Völkerbunds wurde bereits während der Friedenskonferenzen in den Pariser Vororten, im Frühjahr 1919 also knapp ein halbes Jahr nach Ende des 1. Weltkriegs vorbereitet. Neben Wilson und Smuts gab es auch Pläne und Vorschläge von Miller-Hut und Lord Phillimore. |
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