Title:

Der Völkerbund

Home
deutsch
  
ISBN: 3825224368   ISBN: 3825224368   ISBN: 3825224368   ISBN: 3825224368 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

b) Niederlagen:
Kleine Staaten mußten sich den von den Großmächten getroffenen Verfügungen meist fügen. Sobald jedoch eine Großmacht selbst sich in der Rolle des Friedensstörers befand, erwies sich der Völkerbund als weit weniger wirksam. Ein Beispiel war der Korfu-Zwischenfall im August 1923, als Italien, zur Vergeltung für den Mord italienischer Mitglieder einer auf griechischem Boden weilenden internationalen Grenzkommission, die griechische Insel Korfu bombardierte und besetzte. Griechenland wandte sich sofort an den Völkerbund, der eine Untersuchung anordnete. Das italienische Mitglied des Völkerbundsrats weigerte sich jedoch, die Zuständigkeit des Völkerbundes in dieser Angelegenheit anzuerkennen. Gleichwohl zog Italien, nachdem Griechenland eine von ihm geforderte Entschädigung gezahlt hatte, seine Truppen zurück. Diese „friedliche“ Lösung wurde damals als Sieg des Völkerbundes gewertet. Heute sieht man in dem italienischen Akt wohl eher ein Beispiel der Art faschistischer Gewaltpolitik, wie sie in den dreißiger Jahren zur Gewohnheit werden und der gegenüber sich der Völkerbund praktisch als machtlos erweisen sollte. Die Schwächen des völkerbundlichen Schiedsgerichtsverfahrens sollten durch die Sanktionsbestimmungen des Artikels sechzehn der Völkerbundssatzung ausgeglichen werden. Diese traten automatisch in Kraft, sobald ein Mitglied unter Nichtbeachtung der Schlichtungsbestimmungen einen Krieg begann. Als Sanktion gegen den Angreifer war hauptsächlich der wirtschaftliche Boykott vorgesehen. Eine derartige Aussperrung war zweifellos ein wirksames Zwangsmittel, wenn sämtliche Großmächte daran teilnahmen. Da aber zumindest zwei dieser Mächte sich jeweils außerhalb des Völkerbundes befanden, war die Durchführung eines straffen Boykotts unmöglich. Dies sollte sich sowohl 1931, bei Japans Angriff auf China, als auch 1933, während des Angriffs Italiens auf Abessinien (Äthiopien) zeigen. Der Völkerbund beschloss zwar ab November 1933 Wirtschaftssanktionen gegen Italien zu verhängen, diese Sanktionen waren jedoch kaum wirksam, da die USA weiterhin Öl und Deutschland Kohle an Italien lieferten. Die Wirksamkeit des Völkerbundes war, wie dieses Beispiel zeigt, letzten Endes von der Bereitschaft seiner Mitglieder abhängig, seine Verfügungen, wenn nötig, mit Waffengewalt zu unterstützen. Die Anwendung militärischer Sanktionen war im Artikel 16 zwar vorgesehen, doch ihre Durchführung war dem Ermessen der Mitglieder überlassen. Der Völkerbund verfügte daher selbst nicht über die Mittel, seinen Anordnungen den gehörigen Nachdruck zu verleihen. Hierin lag eine seiner größten Schwächen. Um diesem Zustand abzuhelfen, beriet die Völkerbundsversammlung im Herbst 1923 Vorschläge für einen internationalen Beistandspakt, dessen Mitglieder im Falle eines Angriffskrieges einander helfen sollten. Es war jedoch unmöglich, die Rolle des Angreifers für alle möglichen Fälle im voraus zu definieren. Einen Versuch in diese Richtung machte das Genfer Protokoll vom 2. Oktober 1924. Hiernach galt als Angreifer jeder im Kriegszustand befindliche Staat, der sich weigerte, dem vom Völkerbund vorgeschriebenen Schlichtungsverfahrcn zu gehorchen. Die Unterzeichner des Protokolls sollten sich verpflichten, nicht nur an Sanktionen gegen einen derartigen Angreifer teilzunehmen, sondern auch „der angegriffenen oder bedrohten Nation zu Hilfe zu eilen“. Vor einer derart weitgehenden Garantie scheuten die meisten Staaten zurück. Besonders England fürchtete durch das Genfer Protokoll an Handlungsfreiheit einzubüßen und in Kriege verwickelt zu werden, die sie nicht betrafen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Völkerbund in seiner wichtigsten Rolle der Friedenssicherung nur wenige Erfolge gelangen konnten. Das Hauptproblem war dabei der Egoismus seiner Mitglieder. Anstatt die im Völkerbund gegebenen Möglichkeiten zur Friedenssicherung weiter auszubauen, schlugen die Mächte bereits kurz nach dem Krieg einen unabhängigen Kurs ein, dessen Ziel und Methoden sich kaum von der großen Politik der Vorkriegszeit unterscheiden sollten.

 

  
Politik und Regieren in Deutschland, Strukturen, Prozesse, Entscheidungen
von Karl-Rudolf Korte,
Manuel Fröhlich
Siehe auch:
Das politische System der Bundesrepublik Deut...
Politikwissenschaftliche Arbeitstechniken
Politikwissenschaft: Eine Einführung
Die Perlenschnur
Das politische System Deutschlands: Instit...
Das politische System Deutschlands
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
SchoolLecture.com/Startseite/Gesellschaft/Geschichte
StudyPaper.com/Startseite/Gesellschaft

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Copyright ©  |  Impressum