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3. Abrüstung bzw. Abrüstung nur für BesiegteMit seinem zweiten erklärten Ziel, der internationalen Abrüstung, kam der Völkerbund auch nur einseitig voran. Zwar hieß es im Artikel 8 der Satzung, dass sich die Mitglieder des Völkerbundes zu einer Herabsetzung der nationalen Rüstungen auf das Mindestmaß bekennen, doch verwirklichten sie die Rüstungsbeschränkungen zunächst nur bei den Verliererstaaten des Ersten Weltkriegs. So wurden Deutschland nach den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages lediglich ein Landheer von 100000 Mann gestattet, Österreich eine Armee von 30000 Mann zugestanden und die Streitkräfte der übrigen Verbündeten des Reiches in ähnlichem Umfange beschränkt. Die Siegermächte zögerten ihre Abrüstung dagegen immer wieder hinaus. Sie glaubten dies zum Teil - wie beispielsweise Frankreich, das in den letzten fünfzig Jahren zweimal von deutschen Truppen überrannt worden war - aus Gründen der nationalen Sicherheit heraus tun zu müssen. Dieser Konflikt ihrer Interessen mit den Zielsetzungen des Völkerbundes ließ auch die Abrüstungskonferenz 1932 in Genf scheitern, da sich die französische Regierung nicht mit einer Verstärkung der deutschen Reichswehr auf 200000 Mann, wie sie von London vorgeschlagen worden war, einverstanden erklären konnte, bevor nicht hinreichende Garantien für die Sicherheit ihres eigenen Landes gegeben waren. Aus diesem Dilemma zog dann Hitler einseitigen Nutzen und nahm die Weigerung der Alliierten, abzurüsten bzw. Deutschland einen angemessenen Ausgleich zu gewähren, zum Anlaß, den Austritt aus dem Völkerbund zu erklären. Unter diesen Voraussetzungen blieben auch weitere Anstrengungen des Völkerbundsrates, doch noch eine allgemeine Abrüstung zu erreichen, erfolglos. Die Jahre von 1932 bis 1938 brachten nicht nur keinen Fortschritt in dieser Frage, sie standen sogar in Deutschland, Italien, Frankreich und England im Zeichen beginnender militärischer Aufrüstung! Die Ereignisse des Jahres 1939 mit dem deutschen Einmarsch in Prag und dem Angriff auf Polen veranlaßten dann auch die bislang abrüstungswilligen Staaten, sich auf eine kriegerische Auseinandersetzung vorzubereiten.
VI. Das EndeMit dem 2.Weltkrieg wurden die Bemühungen um Abrüstung schließlich vollends illusorisch. Der Völkerbund, dessen zwei Hauptziele - die Friedenssicherung und die allgemeine Abrüstung - damit eindeutig gescheitert waren und dessen Mitgliederzahl von 63 bis zum Kriegsausbruch 1939 auf 46 zurückging (14 Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland und Italien, traten aus, zwei wurden annektiert und einer ausgeschlossen), überdauerte zwar formal den Zweiten Weltkrieg und wurde offiziell erst am 18. April 1946 durch Beschluß der Völkerbundsversammlung aufgelöst, doch konnte er auf den Gang der politischen Ereignisse keinen wesentlichen Einfluß mehr ausüben. Mag über fast allen politischen Hauptzielen des Bundes ein tragisches Scheitern gelegen sein - dennoch war der Welt eine über zwanzig Jahre dauernde Friedensepoche geschenkt! Die vielen großen und kleinen Erfolge auf dem Gebiet der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit verdienen anerkannt zu werden. Zudem wurde bekanntlich im gleichen Jahr der Auflösung 1946 die Nachfolgeorgansition Vereinte Nationen gegründet, die bis heute weltweit ein hohes Maß an Anerkennung genießt. |
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